Durchbruch bei der Varroa-Bekämpfung?

Spätsommerbehandlung mit Ameisensäure, Winterbehandlung mit Oxalsäure, Drohnenbrut schneiden während der Trachtzeit – das alles hat vielleicht bald ein Ende. Forscher der Uni Hohenheim haben jetzt ein Medikament entwickelt, das Bienenstöcke über die Fütterung von der „varroa destructor“ befreien kann – ohne schädliche Nebenwirkungen für die Bienen. Es basiert auf Lithiumchlorid und kann in Zuckerwasser aufgelöst zugefüttert werden.

„Nach über 25 Jahren Forschung steht damit erstmals ein neuer Wirkstoff im weltweiten Kampf gegen die Varroa-Milbe zur Verfügung, der völlig anders wirkt als bisherige Mittel. Derzeit laufen bereits Gespräche mit Unternehmen mit dem Ziel einer Produktentwicklung und Zulassung“, heißt es in einer Pressemitteilung der Uni Hohenheim.

Wer mehr wissen will, findet hier den vollständigen Text der Pressemitteilung.

 

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Der Baurahmen als Varroafalle

In diesem Jahr ist alles früher dran als sonst. Auch die Bienenvölker werden heuer zeitig in Schwarmstimmung geraten. Wo der Raum begrenzt ist und nicht erweitert werden kann, wie in den Figurenbeuten, ist es bald soweit.

Ausgeschnittene Drohnenbrut. Foto: Silvia Schulte

Ausgeschnittene Drohnenbrut. Foto: Silvia Schulte

Am Lehrbienenstand sind die Bienenvölker erweitert worden, so dass kein Volk aus Platzmangel schwärmen muss. Die vor zwei Wochen eingehängten Drohnenrahmen (auch Baurahmen genannt) wurden zügig ausgebaut. Nun sind sie verdeckelt und werden ausgeschnitten. Auf diese Weise lässt sich die Varroa-Belastung deutlich reduzieren, denn viele Milben werden auf mechanischem Weg aus dem Volk herausfangen.

Der Baurahmen als Varroafalle funktioniert deshalb so gut, weil sich der Parasit als Kinderstube bevorzugt Drohnenzellen aussucht. Während eine Arbeiterin nach 21 Tagen schlüpft, brauchen Drohnen für ihre Entwicklung 24 Tage. Das macht Drohnen-Brutzellen für die Milben attraktiver – das Plus an Zeit bewirkt, dass der Milben-Nachwuchs noch in der verdeckelten Zelle geschlechtsreif wird.

Wer Baurahmen in seine Völker hängt, muss aber unbedingt auf das richtige Timing achten: Alle zwei Wochen, spätestens aber nach drei Wochen muss der Rahmen ausgeschnitten werden, sonst wird die gut gemeinte Varroafalle zum Männer- und vor allem Milbenbrutkasten.

Neben der Varroabekämpfung hat das Ausschneiden der Baurahmen noch einen weiteren positiven Nebeneffekt: Es dämmt die Schwarmlust ein. Baubienen, Königin und Ammenbienen sind nämlich damit beschäftigt, Waben zu bauen, zu bestiften und die junge Drohnenbrut zu füttern. Da bleibt keine Zeit für Schwärmereien. Um den Bienen-Nachwuchs muss man sich beim Ausschneiden trotzdem keine Sorgen machen. Außerhalb des Drohnenrahmens gibt es noch ausreichend Drohnen-Brutzellen, so dass genügend Männer für die königliche Partnerwahl bereitstehen.

Gib den Bienen Saures

Gemüllkontrolle. Foto: Silvia Schulte

Gemüllkontrolle. Foto: Silvia Schulte

Nachdem die Hitzewelle vorerst vorbei ist und die letzten Waben abgeschleudert sind – soweit das möglich war – geht es an die Spätsommerbehandlung der Völker. Bei der Behandlung mit Ameisensäure sind ein paar Dinge zu beachten (Zeitpunkt, Menge, Außentemperatur etc.). Das wird in diesem Infoblatt der LWG sehr schön beschrieben: Ameisensäurebehandlung

Doch nicht nur die regelmäßige Behandlung in den nächsten drei bis vier Wochen ist wichtig, sondern auch die Kontrolle! Sie zeigt, ob die Behandlung erfolgreich war. Jetzt werden die Winterbienen erbrütet – sie sollen unbelastet sein. Werden sie von einer Re-Invasion befallen, gehen sie schon geschwächt in den Winter oder schaffen es gar nicht mehr bis dahin. Neben der regelmäßigen Gemüllkontrolle kann der Erfolg der AS-Behandlung durch die Puderzucker-Methode gut überwacht werden.

Gleichzeitig mit der Behandlung beginnen

Für eine effektive Varroa-Bekämpfung ist es wichtig, dass alle Imker der Region gleichzeitig mit der Behandlung beginnen, um eine Re-Invasion durch unbehandelte Völker zu verhindern. Der Kreisverband der Imker hat deshalb für unsere Region festgelegt, die Völker vom 27. Juli bis zum 24. August möglichst an drei aufeinanderfolgenden Samstagen mit 60-prozentiger Ameisensäure oder anderen geeigneten, zugelassenen Wirkstoffen zu behandeln.

Das wären die folgenden Tage:

27. Juli (ist schon verstrichen, der Tag war auch mit knapp 40 Grad zu warm für eine Ameisensäurebehandlung)
3. August
10. August
17. August
24. August

Also: Schwammtücher bereithalten für nächsten Samstag!

Trachtende in Sicht – Varroa im Blick

Der Befallsdruck ist erfreulich gering: In der ausgeschnittenen Brut waren keine Varroa-Milben zu entdecken. Foto: Silvia Schulte

Der Befallsdruck ist erfreulich gering: In der ausgeschnittenen Brut waren keine Varroa-Milben zu entdecken. Foto: Silvia Schulte

Letzten Endes ist der Honig doch noch gekommen, wenn auch längst nicht so üppig wie in den vergangenen Jahren. Doch das Ende der Tracht ist schon abzusehen. Deshalb kann als biologische Maßnahme zur Varroa-Bekämpfung jetzt Brut entnommen werden. Bienen, die in den nächsten Tagen schlüpfen würden, kommen als Sammelbienen nicht mehr zum Einsatz – sie sind einfach zu spät dran. Als Winterbienen dienen sie aber auch noch nicht, denn ihr Lebenszyklus endet vorher. Der Zeitpunkt kurz vor Trachtende ist also genau der richtige Moment, durch eine konsequente Entnahme verdeckelter Brut einen großen Teil Varroa-Milben zu entsorgen, ohne dabei die Stärke des Bienenvolks zu beeinträchtigen.

Die jungen Königinnen werden gezeichnet - heuer gibt es einen roten Punkt. Foto: Silvia Schulte

Die jungen Königinnen werden gezeichnet – heuer gibt es einen roten Punkt. Foto: Silvia Schulte

Beim näheren Durchsehen der entnommenen Brut fällt allerdings auf, dass der Befallsdruck erfreulich niedrig ist. In der ausgeschnittenen Drohnenbrut wurden lediglich zwei Milben gefunden, in der entnommenen Arbeiterinnenbrut gar keine. Varroa wird für den Verein aber in den nächsten Wochen ein wichtiges Thema bleiben.

Am kommenden Sonntag, 14. Juli, gibt es für Mitglieder und Gäste am Lehrbienenstand einen Lehrgang zum Thema „Varroabekämpfung“. Referent ist Rudi Haslacher. Beginn ist um 10 Uhr. Im Anschluss an den Lehrgang werden die bestellten Varroa-Mittel ausgegeben. Ziel ist es, dass alle Imker in der Region zum gleichen Zeitpunkt und mit effektiven Maßnahmen die Varroa-Behandlung beginnen, damit eine Reinvasion vermieden wird. Der Termin wird auf Kreisebene abgestimmt und rechtzeitig bekanntgegeben. Er orientiert sich am voraussichtlichen Trachtende.