Durchbruch bei der Varroa-Bekämpfung?

Spätsommerbehandlung mit Ameisensäure, Winterbehandlung mit Oxalsäure, Drohnenbrut schneiden während der Trachtzeit – das alles hat vielleicht bald ein Ende. Forscher der Uni Hohenheim haben jetzt ein Medikament entwickelt, das Bienenstöcke über die Fütterung von der „varroa destructor“ befreien kann – ohne schädliche Nebenwirkungen für die Bienen. Es basiert auf Lithiumchlorid und kann in Zuckerwasser aufgelöst zugefüttert werden.

„Nach über 25 Jahren Forschung steht damit erstmals ein neuer Wirkstoff im weltweiten Kampf gegen die Varroa-Milbe zur Verfügung, der völlig anders wirkt als bisherige Mittel. Derzeit laufen bereits Gespräche mit Unternehmen mit dem Ziel einer Produktentwicklung und Zulassung“, heißt es in einer Pressemitteilung der Uni Hohenheim.

Wer mehr wissen will, findet hier den vollständigen Text der Pressemitteilung.

 

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Schwieriges Varroawetter

Kontrolle an den Bienenvölkern. Die Ameisensäure im Langzeitverdunster ist nicht vollständig verdampft. Foto: Schulte


Eine Woche kühl, drei Tage heiß – für die Varrobehandlung der Bienenvölker ist das Wetter derzeit alles andere als ideal. Der Langzeitverdunster, der am Lehrbienenstand des Imkervereins Mittlerer Aischgrund zum Einsatz kommt, hatte über seinen Wirkzeitraum von zehn bis 14 Tagen keine idealen Bedingungen – es war zeitweise zu kalt. Die Folge: Die Ameisensäure ist zwar über den Docht aus der Flasche auf das Vlies getropft, dort aber nicht verdunstet.
Etwas besser, aber auch nicht zufriedenstellend, verläuft die Behandlung mit dem Schwammtuch. Hier muss die Temperatur während des Behandlungszeitraums nicht so stabil bleiben, denn es reicht, wenn sie am Behandlungstag passt. Doch die Behandlungen mit dem Schwammtuch müssen drei- bis viermal in regelmäßigen Abständen wiederholt werden (alle 4 bis zehn Tage), und nicht immer fiel es heuer leicht, in diesem Zeitraum einen guten Behandlungstag zu erwischen. Hilfreich bei der Planung ist auf jeden Fall der Blick aufs Varroawetter.
Nach der Behandlung wird aufgefüttert, und Ende September folgt wegen der möglichen Reinvasion von Milben noch eine weitere Behandlung mit Ameisensäure. Bisher hielt sich bei den meisten Bienenvölkern am Lehrbienenstand der Milbenbefall in Grenzen. Doch der Schein kann trügen. Eine gewissenhafte Kontrolle der Milbenbelastung, etwa mit der Puderzuckermethode, gibt Gewissheit.

Infos zur Varroabehandlung

Schwammtuch oder Verdunster, Ameisensäure oder Thymol? Diese Fragen werden bei einem Varroakurs am Lehrbienenstand in Kürze beantwortet. Foto: Schulte


Wenn die Honigernte eingebracht ist, geht es an die Spätsommerpflege der Bienen. Neben dem Einfüttern steht dabei die Varroabehandlung im Mittelpunkt. Damit alle Jung- und Neuimker die verschiedenen Methoden und Mittel kennen- und anwenden lernen können, wird der Imkerverein Mittlerer Aischgrund am Lehrbienenstand in den nächsten Wochen eine Varroaschulung anbieten. Der Termin wird noch bekanntgegeben.

Was blüht den Winterbienen?

So vielfältig wie hier blüht es leider in der Region viel zu selten. Foto: Schulte

So vielfältig wie hier blüht es leider in der Region viel zu selten. Foto: Schulte


Die Imker schnaufen durch: Die Honigernte ist eingebracht, die Varroabehandlung (fast) abgeschlossen, nun wird nur noch aufgefüttert. Eine ruhige Zeit, sollte man meinen. Dabei beginnt gerade jetzt das neue Bienenjahr. Für unsere Völker werden jetzt die Weichen dafür gestellt, den kommenden Winter zu überstehen und sich im nächsten Frühjahr gut zu entwickeln.

Während die Winterbienen erbrütet werden, müssen die Sommerbienen noch fleißig die Vorräte auffüllen, in die der Imker durch die Honigentnahme Lücken gerissen hat. Mit der Einlagerung des Futters sollten sich die jungen Winterbienen nicht aufarbeiten, denn sonst halten sie keine fünf oder sechs Monate durch. Deshalb nicht zu spät einfüttern! Ein vielfältiges Pollenangebot sorgt dafür, dass die Brut gedeihen kann. Es gilt also weiterhin: jede Blüte zählt!

Doch wie ist es um diese Artenvielfalt in der Region bestellt? Hungern die Bienen in Folge wachsender Mais-Monokulturen oder wählen die Imker einfach nur die falschen Standorte für ihre Völker? In den letzten Wochen wurde dieses Thema in den örtlichen Medien kontrovers diskutiert. Wohl auch aus diesem Anlass lädt der Bayerische Bauernverband am Samstag, 27. August, zu einer Infofahrt mit Imkern ein:
Einladung_Fahrt

Der Imkerverein Mittlerer Aischgrund wird mit mindestens zwei Vertretern an dieser Infofahrt teilnehmen. Wir sind schon gespannt, welche Bienenparadiese wir auf der Fahrt entdecken werden.

Schwammtuch oder Verdunster?

Soll die Ameisensäure aufs Schwammtuch oder besser in den Verdunster? Das muss jeder Imker selbst entscheiden. Hauptsache ist, dass die Behandlung, egal mit welcher Methode, gewissenhaft durchgeführt wird. F.: Schulte

Soll die Ameisensäure aufs Schwammtuch oder besser in den Verdunster? Das muss jeder Imker selbst entscheiden. Hauptsache ist, dass die Behandlung, egal mit welcher Methode, gewissenhaft durchgeführt wird. F.: Schulte


Im vergangenen Jahr wurden die Lehrbienen des Imkervereins Mittlerer Aischgrund erstmals mit dem Nassenheider Verdunster gegen Varroa behandelt. Zuvor war es die Schwammtuchmethode. Welche ist nun die bessere? Nicht nur innerhalb des Vereins scheiden sich hier die Geister. Auch in vielen Imkerforen wird das Thema kontrovers diskutiert.

Beim Schwammtuch steigt die Säurekonzentration abhängig von der Temperatur rasch an und fällt auch relativ rasch wieder ab (24 Std.). Die Maßnahme muss deshalb mehrfach wiederholt werden. Die Gefahr der Brutschädigung ist durch die hohe Säurekonzentration vergleichsweise hoch, aber kurzfristig. Behandelt wird bei Temperaturen über 15° und unter 25 bis 28°C. Hohe Luftfeuchtigkeit mindert den Erfolg. Dosiert wird wie folgt: 60-prozentige Ameisensäure, 2 ml pro Wabengasse bei Behandlung von oben und 3 ml bei Behandlung von unten.

Bei den Langzeitverdunstern (Nassenheider oder Liebig) wird die Ameisensäure über einen längeren Zeitraum kontinuierlich an die Stockluft abgegeben. Der Anstieg der Konzentration ist dabei nicht so hoch wie beim Schwammtuch, hält aber länger bei gleichbleibender Konzentration an. Beim Einsatz von Verdunstern ist deutlich mehr Ameisensäure nötig als beim Schwammtuch. Bei einem zweizargigen Volk werden für eine Langzeitbehandlung, die 10 bis 14 Tage dauern soll, knapp 200 ml benötigt. Meist ist eine weitere Behandlung nach dem Auffüttern nötig.

Doch wie funktioniert die Varroabekämpfung mit Ameisensäure eigentlich? Der Imker-Infobrief schrieb dazu: „Die Ameisensäure hat durchschlagende Wirkung auf frei auf Bienen ansitzende Milben. Bekanntermaßen wirkt sie auch – und das zeichnet sie gegenüber anderen Präparaten zur Varroabekämpfung besonders aus – durch ihren hohen Dampfdruck (Verdampfung schon bei Stocktemperatur!) in die verdeckelte Brut, in der sich zwischen 70-90 % der Milben befinden. Der Ameisensäuredampf gelangt aufgrund von Diffusion in die verdeckelten Brutzellen. Um weitgehend alle Milben in der Brut zu töten, muss entweder: wiederholt kurzzeitig ein sehr hoher Dampfdruck auf die Milben in der Brut wirken (hohe Verdunstungsrate in kurzer Zeit (Stoßbehandlung, Schwammtuch), oder über längere Zeit eine möglichst gleichmäßige Verdunstung (Langzeitverdunster) erzielt werden, damit nach und nach die Ameisensäuredämpfe die Wirkung in den verdeckelten Zellen entfalten können.“

Es liegt deshalb auf der Hand, dass die Verdampfung der Ameisensäure stark vom Wetter und der Luftfeuchtigkeit abhängig ist. Hier ist die Schwammtuchmethode „empfindlicher“ als die Langzeitbehandlung mit einem Verdunster, der die Säure gleichmäßiger abgeben kann. Auf jeden Fall sollte zu Beginn jeder Behandlung – egal mit welcher Methode – der Blick aufs Varroawetter stehen.