Varroa – für Imker ein Dauerthema

Ein bisschen wie beim Ü-Ei: Der Nassenheider Verdunster muss erst einmal zusammengebaut werden. Foto: Schulte


Varroa ist ein Ganzjahresthema – das machte Mirjam Prechtel-Knapp den zehn Teilnehmern im Theorieteil des Varroakurses am Lehrbienenstand des Imkervereins Mittlerer Aischgrund anschaulich deutlich. Denn die Milbe ist mittlerweile in allen Bienenvölkern vorhanden. Als Parasit schwächt sie ihren Wirt und kann darüber hinaus auch Viren übertragen. „Man kann die Varroamilbe gut mit einer Zecke vergleichen“, sagt Mirjam Prechtel-Knapp. Allerdings in einer ganz anderen Größenordnung: Übertrüge man das Größenverhältnis Biene-Varroamilbe auf menschliche Maßstäbe, dann wäre ein Zecke für uns so groß wie ein Hase. Das macht deutlich, warum schon eine einzige Milbe den Organismus der Biene, der ja im Entwicklungsstadium befallen wird, so nachhaltig schädigt, dass bei starker Belastung ein ganzes Bienenvolk zusammenbricht. Wer sich intensiver in das Thema einlesen will: Gute, detaillierte Informationen zur Biologie der Varroamilbe findet man hier.

Mit einer Lupe kann man die Varroamilben am besten erkenne. F.: Schulte

Mit welchen Methoden man der Varroamilbe gerade jetzt nach beendeter Honigernte zu Leibe rücken kann und wie man den Befall kontrolliert, erläuterte Gerhard Kolb anschließend im praktischen Kursteil. Behandlungsmittel wie Ameisensäure, Milchsäure, Oxalsäure und Thymolpräparate wurden in verschiedenen Darreichungsformen gezeigt und die Anwendungsmöglichkeiten wie Schwammtuch oder Verdunster vorgeführt.

Ein paar Varroamilben liegen schon auf dem Bodenbrett.

Jetzt, nach der letzten Honigernte, wird üblicherweise 60-prozentige Ameisensäure eingesetzt, da in den Wirtschaftsvölkern noch Brut vorhanden ist und Ameisensäure auch während der Brutzeit wirksam ist. Sie bekämpft die Varroamilben und ihre Nymphenstadien direkt in den verdeckelten Brutzellen, bildet aber keine Rückstände. Auch eine Behandlung mit Präparaten auf Basis von ätherischen Ölen (Thymol) käme in Frage.

Die Behandlung mit Ameisensäure sollte zweimal durchgeführt werden, das erste Mal im Zeitraum Ende Juli bis Anfang August. Eine Wiederholung sollte Ende August oder Anfang September erfolgen, um Varroamilben, die in Folge einer Reinvasion in die Völker kommen, abzutöten.

Die Behandlung mit Oxalsäure findet am brutfreien Volk statt, da der Wirkstoff nicht in verdeckelte Brutzellen eindringt. Sie ist ab Ende Oktober bis Anfang Dezember möglich.

Da eine erfolgreiche Varroabehandlung sehr stark vom Wetter abhängig ist, empfiehlt sich vor jeder Behandlung ein Blick aufs Varroawetter.

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Oxalsäurebehandlung – jetzt ist Zeit!

Der Zeitpunkt ist günstig, um die Oxalsäurebehandlung vorzunehmen, zumindest bei uns im Aischgrund, in der Region Mittelfranken und Unterfranken. Denn die ersten Nachtfröste liegen ca. 10 Tage zurück und damit dürfte das Brutgeschäft bei den meisten Bienenvölkern nun eingestellt sein.

Oxalsäure tötet die Varroamilben ab, die jetzt noch an den Bienen sitzen, wirkt jedoch nicht in die Brut, deshalb ist eine Behandlung in einer brutfreien Phase der Völker anzustreben, um eine möglichst hohe Erfolgsquote bei der „Restentmilbung“ zu erreichen.

so schaut ein Bienenvolk aus, das sich zur Wintertraube zusammengezogen hat (Bild: Miri)

so schaut ein Bienenvolk aus, das sich zur Wintertraube zusammengezogen hat (Bild: Miri)

Wie stellt man nun fest, ob ein Volk wirklich ohne Brut ist, ohne das Volk durch Waben ziehen in unnötige Aufregung zu versetzen? Die Zeitschrift „Imkerfreund“ gibt in der Dezemberausgabe den Tipp, mittels eines Haushaltsthermometers die Temperatur in der Wintertraube zu messen und somit auf die Bruttätigkeit zu schließen.

Man weiß, dass ein Bienenvolk die Temperatur des Brutnestes bei konstant 35°C hält. In der Wintertraube, zu der sich die Bienen in der kalten Jahreszeit in ihren Behausungen zusammenziehen beträgt die Temperatur im Kern 27°C (lt. Wikipedia). Andere Quellen berichten von Temperaturen in der Wintertraube von 20-22°C.

mit einem einfachen Haushaltsthermometer kann man die Temperatur in der Wintertraube feststellen (Bild: Miri)

mit einem einfachen Haushaltsthermometer kann man die Temperatur in der Wintertraube feststellen (Bild: Miri)

 

Bei einem meiner Völker habe ich das mal ausprobiert: Die Temperatur ist bis auf knapp 27°C angestiegen. Dies bedeutet für mich, das ich von der Brutfreiheit dieses Volkes ausgehen kann, denn mit Brut müsste die Temperatur deutlich über 30°C betragen.

 

 

 

 

Bei der Oxalsäurebehandlung selbst sollte man mit besonderer Ruhe arbeiten, d.h. Stöße an den Beuten möglichst vermeiden, vorsichtiges Öffnen des Deckels. So kann man vermeiden, dass die Bienen auffliegen oder noch schlimmer im Stock abkoten.

die Aufwandmenge beträgt je nach Volksgröße 20-50ml (Bild: Miri)

die Aufwandmenge beträgt je nach Volksgröße 20-50ml (Bild: Miri)

 

Die Oxalsäurelösung bringt man in der zubereiteten Form handwarm mit Hilfe einer Spritze tröpfchenweise auf die Bienen auf, in dem man die Spritze langsam über den besetzten Wabengassen ausdrückt. Die Tröpfchen werden dann von den Bienen aufgenommen und so wird der Wirkstoff nach und nach in der gesamten Wintertraube verteilt. Die Aufwandmenge richtet sich nach der Größe des Volkes. Völker auf 2 Räumen bekommen 50ml pro Volk, auf einem Raum 20-30ml.

 

Bleibt zu hoffen, dass die Behandlung gut wirkt und unsere Bienchen den verbleibenden Winter gut überstehen.

 

Alles unter Kontrolle?

Das Bienen- und somit Imkerjahr neigt sich dem Ende zu. Die Völker sind varroabehandelt und eingefüttert. Nun besteht die Aufgabe des Imkers in erster Linie aus Beobachtung und Kontrolle. Gerade in diesen milden Septembertagen besteht die Gefahr einer sogenannten Varroa-Reinvasion. Das bedeutet, gesunde, behandelte Völker räubern schwächere, kranke, milbenverseuchte Völker aus, um sich deren Futtervorräte zu holen. Dabei stecken sie sich aber auch mit der Varroamilbe an und unsere ganze Behandlung war „für die Katz“. Deshalb ist es jetzt besonders wichtig, Nachkontrollen durchzuführen: den täglichen Milbenfall mit Hilfe der Bodeneinlage überprüfen oder noch besser, eine Puderzuckerprobe machen.

Die Bienen links sind noch ganz weiß von der Puderzuckerprobe

Die Bienen links sind noch ganz weiß von der Puderzuckerprobe

Für unsere letzte Puderzuckerprobe am Lehrbienenstand konnten wir aufatmen: keine einzige Varroamilbe fiel aus dem Zuckerstreuer heraus. Falls es nötig ist, kann man die milden Tage noch für eine weitere Behandlung mit Ameisensäure nutzen. Das Auffüttern der Völker sollte nun abgeschlossen sein und jedes Volk das nötige Gewicht haben, wie man das feststellt haben wir hier beschrieben.

 

 

 

 

Bienen im Schlaraffenland

Bienen im Schlaraffenland

Obwohl es an den Bienen derzeit nicht mehr viel zu tun gibt, setzen sich die Imker nicht zur Ruhe. Im Rahmen eines Projektes im Landkreis Neustadt a.d. Aisch/Bad-Windsheim haben Landwirte Blühpflanzen als Zwischenkultur nach der Getreideernte angesät. Jeder Landwirt kooperiert dabei mit einem Imker in seiner Nähe, der direkt auf die Fläche einige Bienenvölker aufstellt.

 

Dieses blühende, duftende, summende gelbe Meer lässt jedem Imker das Herz höher schlagen – und den Bienen sicher auch!

Die Pollenfalle wird direkt vor dem Fluloch angebracht. Um durch dass Gitter zu gelangen müssen die Bienen den Pollen abstreifen, dieser landet in einem Auffangbehälter

Die Pollenfalle wird direkt vor dem Flugloch angebracht. Um durch dass Gitter zu gelangen müssen die Bienen den Pollen abstreifen, dieser landet in einem Auffangbehälter

 

 

 

Mit Hilfe einer Pollenfalle, werden Proben von den eingesammelten Pollen der Bienen gewonnen. Dieser Pollen wird dann im Labor untersucht und ausgezählt. Somit wollen wir herausfinden, welche Pollen die Bienen einsammeln und wie sich das auf die Gesundheit und Überwinterungsrate dieser Völker auswirkt.

Eine dieser Blühflächen befindet sich in der Nähe von Rohensaas. Im Moment blüht hauptsächlich der Gelbsenf, und Phazelia. Auch Buchweizen und Sonnenblumen befinden sich auf der Fläche.

Was tun gegen Kalkbrut?

Am Lehrbienenstand blühen jetzt die Apfelbäume. Fotos: Silvia Schulte

Am Lehrbienenstand blühen jetzt die Apfelbäume. Fotos: Silvia Schulte


Unerfahrene Imker übersehen die Anzeichen leicht. Auf dem Flugbrett liegt morgens weißliche, wie versteinert aussehende Bienenbrut. Was hat das zu bedeuten? Wer schon länger mit Bienen zu tun hat, weiß Bescheid: es handelt sich um Kalkbrut. Ein Blick ins Volk bringt weitere Gewissheit. Einige Brutzellen sind beschädigt, d. h. die Putzbienen sind dabei, die Zellen zu entdeckeln und die „Mumien“ hinauszubefördern. Vielleicht sind einige Zellen sogar schon geöffnet – dann entdeckt man die Kalkbrutmumien sofort.

Kalkbrut wird durch einen Pilz hervorgerufen. Dieser ist im Prinzip in jedem Bienenvolk vorhanden – ähnlich wie Schimmelpilzsporen in jedem Haushalt zu finden sind. Erst das Zusammenwirken mehrerer ungünstiger Faktoren führt dazu, dass sich die Pilzsporen übermäßig vermehren können – die Krankheit bricht aus. Die „Faktorenkrankheit“ Kalkbrut kann man am wirkungsvollsten dadurch bekämpfen, den Pilzsporen ein möglichst unbehagliches Ambiente zu schaffen. Ein sinnvolles Medikament gegen Kalkbrut gibt es ohnehin nicht.

Auch ein Volk am Lehrbienenstand hat es erwischt. Wie kann man die Selbstheilungskräfte dieses Bienenvolks am besten aktivieren? Zunächst einmal muss man wissen, was vorher nicht gepasst hat. Feuchtigkeit, so möchte man meinen, war wohl kaum das Problem, es war ja wochenlang staubtrocken. Doch das ist ein Trugschluss. Die letzten Wochen waren zwar traumhaft warm. Deshalb haben sich die starken Völker gut entwickelt und wurden entsprechend großzügig erweitert. Doch in den Nächten war es immer noch empfindlich kühl. Die erweiterten Bienenwohnungen konnten dann nicht mehr gleichmäßig gewärmt werden. Kondenswasser hat sich niedergeschlagen – ein ideales Umfeld für die Pilzsporen. Die betroffene Bienenwohnung am Lehrbienenstand bekommt außerdem tagsüber mehr Schatten ab als die meisten anderen.

Das wird jetzt geändert. Die Bienen müssen umziehen und sollen eine Zeitlang in der vollen Sonne stehen. Ihre Bienenwohnung wird so eng wie möglich gehalten. Durch das Fächeln zur Kühlung des Stocks wird die Feuchtigkeit heraustransportiert. Der natürliche Putztrieb der Bienen besorgt dann hoffentlich den Rest.

Beim Thema Bienengesundheit darf auch die Varroa nicht vergessen werden. Die Bienen in der Top Bar Hive haben schon Drohnenbrut verdeckelt, die jetzt ausgeschnitten und untersucht wird. Das Ergebnis ist erfreulich: nur zwei Milben.

Reinigungsflug im Januar

„Für die Jahreszeit zu warm“ – so endet im Augenblick fast jeder Wetterbericht. Auch die Bienen spüren das. An geschützten Standorten herrscht Flugbetrieb, sobald sich die Sonne zeigt. Doch tut das den Völkern gut?
Ein zeitiger Reinigungsflug ist sicher nicht schlecht. Andererseits kommen die Bienen in einem warmen Winter nicht zur Ruhe. Das Brutgeschäft beginnt sehr früh, wenn es überhaupt eingestellt wurde. Damit steigt das Risiko, dass die Völker bereits beim Auswintern unter einer starken Varroabelastung leiden, denn die Oxalsäurebehandlung, die den letzten Wochen durchgeführt werden sollte, wirkt ja nur im brutfreien Volk. In eventuell vorhandener verdeckelter Brut können sich die Milben dagegen unbeschadet halten und vermehren. Brütende Völker benötigen außerdem deutlich mehr Futter, so dass im Frühjahr die Vorräte schneller knapp werden.
Als Imker hat man zu diesem Zeitpunkt kaum Möglichkeiten zum Einschreiten. Die Grundlage für eine gute Überwinterung ist (hoffentlich) im Spätsommer gelegt worden und das Wetter muss man nehmen, wie es ist. „Einfach mal reingucken“ ist um diese Jahreszeit auch nicht möglich. So bleibt als einzige Kontrollmöglichkeit die Fluglochbeobachtung an warmen Tagen. Sie verrät allerdings schon viel über den Zustand des Volkes und zeigt, ob es unter Umständen in Not ist.