Schwieriges Varroawetter

Kontrolle an den Bienenvölkern. Die Ameisensäure im Langzeitverdunster ist nicht vollständig verdampft. Foto: Schulte


Eine Woche kühl, drei Tage heiß – für die Varrobehandlung der Bienenvölker ist das Wetter derzeit alles andere als ideal. Der Langzeitverdunster, der am Lehrbienenstand des Imkervereins Mittlerer Aischgrund zum Einsatz kommt, hatte über seinen Wirkzeitraum von zehn bis 14 Tagen keine idealen Bedingungen – es war zeitweise zu kalt. Die Folge: Die Ameisensäure ist zwar über den Docht aus der Flasche auf das Vlies getropft, dort aber nicht verdunstet.
Etwas besser, aber auch nicht zufriedenstellend, verläuft die Behandlung mit dem Schwammtuch. Hier muss die Temperatur während des Behandlungszeitraums nicht so stabil bleiben, denn es reicht, wenn sie am Behandlungstag passt. Doch die Behandlungen mit dem Schwammtuch müssen drei- bis viermal in regelmäßigen Abständen wiederholt werden (alle 4 bis zehn Tage), und nicht immer fiel es heuer leicht, in diesem Zeitraum einen guten Behandlungstag zu erwischen. Hilfreich bei der Planung ist auf jeden Fall der Blick aufs Varroawetter.
Nach der Behandlung wird aufgefüttert, und Ende September folgt wegen der möglichen Reinvasion von Milben noch eine weitere Behandlung mit Ameisensäure. Bisher hielt sich bei den meisten Bienenvölkern am Lehrbienenstand der Milbenbefall in Grenzen. Doch der Schein kann trügen. Eine gewissenhafte Kontrolle der Milbenbelastung, etwa mit der Puderzuckermethode, gibt Gewissheit.

Advertisements

Alles unter Kontrolle?

Das Bienen- und somit Imkerjahr neigt sich dem Ende zu. Die Völker sind varroabehandelt und eingefüttert. Nun besteht die Aufgabe des Imkers in erster Linie aus Beobachtung und Kontrolle. Gerade in diesen milden Septembertagen besteht die Gefahr einer sogenannten Varroa-Reinvasion. Das bedeutet, gesunde, behandelte Völker räubern schwächere, kranke, milbenverseuchte Völker aus, um sich deren Futtervorräte zu holen. Dabei stecken sie sich aber auch mit der Varroamilbe an und unsere ganze Behandlung war „für die Katz“. Deshalb ist es jetzt besonders wichtig, Nachkontrollen durchzuführen: den täglichen Milbenfall mit Hilfe der Bodeneinlage überprüfen oder noch besser, eine Puderzuckerprobe machen.

Die Bienen links sind noch ganz weiß von der Puderzuckerprobe

Die Bienen links sind noch ganz weiß von der Puderzuckerprobe

Für unsere letzte Puderzuckerprobe am Lehrbienenstand konnten wir aufatmen: keine einzige Varroamilbe fiel aus dem Zuckerstreuer heraus. Falls es nötig ist, kann man die milden Tage noch für eine weitere Behandlung mit Ameisensäure nutzen. Das Auffüttern der Völker sollte nun abgeschlossen sein und jedes Volk das nötige Gewicht haben, wie man das feststellt haben wir hier beschrieben.

 

 

 

 

Bienen im Schlaraffenland

Bienen im Schlaraffenland

Obwohl es an den Bienen derzeit nicht mehr viel zu tun gibt, setzen sich die Imker nicht zur Ruhe. Im Rahmen eines Projektes im Landkreis Neustadt a.d. Aisch/Bad-Windsheim haben Landwirte Blühpflanzen als Zwischenkultur nach der Getreideernte angesät. Jeder Landwirt kooperiert dabei mit einem Imker in seiner Nähe, der direkt auf die Fläche einige Bienenvölker aufstellt.

 

Dieses blühende, duftende, summende gelbe Meer lässt jedem Imker das Herz höher schlagen – und den Bienen sicher auch!

Die Pollenfalle wird direkt vor dem Fluloch angebracht. Um durch dass Gitter zu gelangen müssen die Bienen den Pollen abstreifen, dieser landet in einem Auffangbehälter

Die Pollenfalle wird direkt vor dem Flugloch angebracht. Um durch dass Gitter zu gelangen müssen die Bienen den Pollen abstreifen, dieser landet in einem Auffangbehälter

 

 

 

Mit Hilfe einer Pollenfalle, werden Proben von den eingesammelten Pollen der Bienen gewonnen. Dieser Pollen wird dann im Labor untersucht und ausgezählt. Somit wollen wir herausfinden, welche Pollen die Bienen einsammeln und wie sich das auf die Gesundheit und Überwinterungsrate dieser Völker auswirkt.

Eine dieser Blühflächen befindet sich in der Nähe von Rohensaas. Im Moment blüht hauptsächlich der Gelbsenf, und Phazelia. Auch Buchweizen und Sonnenblumen befinden sich auf der Fläche.

Ameisensäure: Wie oft soll man behandeln?

Nein, hier herrscht keine Schwarmstimmung. Aber die auf dem Schwammtuch verdunstende Ameisensäure treibt die Bienen vors Flugloch.

Nein, hier herrscht keine Schwarmstimmung. Aber die auf den Schwammtüchern verdunstende Ameisensäure im Inneren der Magazine treibt die Bienen vors Flugloch.

Die Behandlung mit Ameisensäure gefällt den Bienen nicht, soviel ist klar. Doch die Milben, die jetzt nicht vernichtet werden können, führen zu einem Neubefall, der dann die Winterbienen trifft. Ein stark varroageschädigtes Volk bricht eventuell noch im Herbst zusammen und überlebt den Winter ziemlich sicher nicht.

Schutzbrille, Mundschutz und säurefeste Handschuhe sind beim Umgang mit Ameisensäure Pflicht.

Schutzbrille, Mundschutz und säurefeste Handschuhe sind beim Umgang mit Ameisensäure Pflicht.

Konsequenz ist also oberstes Gebot bei der Behandlung mit Ameisensäure. Im Wochenrhythmus muss das Schwammtuch wieder mit der entsprechenden Menge Ameisensäure benetzt werden (2 ml pro Wabe bei Behandlung von oben, 3 ml pro Wabe bei Behandlung von unten). Wiederholt wird so lange, bis keine Milben mehr fallen, mindestens aber drei Mal.

Bienen und Puderzucker zu gleichen Teilen, drei Minuten wenden, absieben - fertig ist die Varroa-Diagnose. Fotos: Silvia Schulte

Bienen und Puderzucker zu gleichen Teilen, drei Minuten wenden, absieben – fertig ist die Varroa-Diagnose. Fotos: Silvia Schulte

Am Lehrbienenstand wurde die dritte Behandlung durchgeführt. Auf den Gemüllwindeln waren reichlich tote Milben zu sehen, die seit der Behandlung am letzten Sonntag abgefallen sind. Doch nicht nur anhand des Totenfalls lässt sich die Stärke des Parasitenbefalls einschätzen. Dazu führte Mirjam Prechtel-Knapp die Puderzuckermethode vor, bei der die Bienen zu starkem Putztrieb angeregt werden, wodurch die ansitzenden lebenden Milben herunterfallen. Sie werden ausgezählt und auf das Volk hochgerechnet. Diese Diagnosemethode macht den Bienen sicher keinen Spaß, aber sie überstehen sie unbeschadet und werden anschließend ins Volk zurückgegeben.
Die Puderzuckermethode kann gut zur Diagnose später im Sommer eingesetzt werden, wenn die Ameisensäurebehandlung schon abgeschlossen ist. So kann jeder Imker sichergehen, dass im Spätsommer oder Herbst keine Reinvasion mit Milben erfolgt ist und die Völker unbelastet in die Winterruhe gehen.

Gib den Bienen Saures

Gemüllkontrolle. Foto: Silvia Schulte

Gemüllkontrolle. Foto: Silvia Schulte

Nachdem die Hitzewelle vorerst vorbei ist und die letzten Waben abgeschleudert sind – soweit das möglich war – geht es an die Spätsommerbehandlung der Völker. Bei der Behandlung mit Ameisensäure sind ein paar Dinge zu beachten (Zeitpunkt, Menge, Außentemperatur etc.). Das wird in diesem Infoblatt der LWG sehr schön beschrieben: Ameisensäurebehandlung

Doch nicht nur die regelmäßige Behandlung in den nächsten drei bis vier Wochen ist wichtig, sondern auch die Kontrolle! Sie zeigt, ob die Behandlung erfolgreich war. Jetzt werden die Winterbienen erbrütet – sie sollen unbelastet sein. Werden sie von einer Re-Invasion befallen, gehen sie schon geschwächt in den Winter oder schaffen es gar nicht mehr bis dahin. Neben der regelmäßigen Gemüllkontrolle kann der Erfolg der AS-Behandlung durch die Puderzucker-Methode gut überwacht werden.

Bienen im Zuckerstreuer

Schon beim regelmäßigen Ausschneiden der Drohnenbrut war festzustellen, dass sich der Varroa-Befall bei den Völkern heuer in Grenzen hält. Die verzögerte Volksentwicklung aufgrund des langen Winters und kalten Frühjahrs haben also doch gute Seiten gehabt. Doch natürlich wollen wir, bevor es mit der Ameisensäurebehandlung losgeht, einen genauen Überblick über den Befallsdruck bekommen. Ein für die Bienen sicher nicht angenehmes, aber zumindest unschädliches und verlustfreiesVerfahren ist die Puderzucker-Methode (Hier klicken für die genaue Anleitung). Sie macht sich den Putzeifer der Bienen zunutze. Werden sie mit Puderzucker eingestäubt, putzen sie sich anschließend gegenseitg sauber – eventuell ansitzende Varroamilben fallen bei dieser Aktion von den Bienen ab.

Damit das Verfahren verlässliche Ergebnisse liefert, müssen sowohl Bienen als auch Milben gezählt werden. Bei den Bienen machen wir uns die Sache leicht und orientieren uns am Gewicht. 10 Gramm entsprechen etwa 100 Arbeiterinnen. Wir kehren 50 Gramm Bienen in ein verschließbares Schüttelgefäß mit verschließbarem Siebboden ab. Dazu eignen sich handelsübliche Puderzucker-Stäuber sehr gut. Auf die Bienen schütten wir knapp 50 Gramm Puderzucker, schließen den Deckel und wenden das Gefäß immer wieder, damit alle Bienen vollständig mit Puderzucker bedeckt sind. Sie beginnen sofort hektisch mit dem Putzen.

Nach etwa drei Minuten können wir die Milben aussieben. Hier muss energisch geschüttelt werden. Die meisten Milben fallen erst ganz am Schluss heraus, wenn der Puderzucker schon fast völlig herausgeschüttelt wurde. Natürlich muss die Zahl der gefallenen Milben gezählt werden. Fallen jetzt im Juli weniger als fünf Milben, so ist das Volk vorerst ungefährdet. Bei 5 bis 25 Milben sollte die Behandlung baldmöglichst eingeleitet werden. Fallen mehr als 25 Milben, so muss unverzüglich mit der Behandlung begonnen werden – das Volk ist akut gefährdet.

Bei unserem Test hatten wir Glück: es fielen nur zwei Milben. Die geschüttelten Bienen, noch immer ziemlich weiß bepudert, werden wieder zurück in ihre Beute geschüttet, in die sie ziemlich schnell verschwinden.