Honigraum als Weiselwiege

Der Juni ist der günstigste Monat für die Königinnenzucht und Ablegerbildung. Denn die erste Honigernte ist eingebracht und gesunde Völker sind von der Anzahl der Bienen her auf Ihrem Höhepunkt.

Die Züchtung und Verbreitung der Carnica-Biene ist eines unserer Vereinsziele. Denn diese Bienenrasse ist an unsere klimatischen Verhältnisse am besten angepasst. Die Züchtung der vergangenen Jahre hat sie zu einer sanftmütigen und sehr fleißigen Biene werden lassen, mit der auch Imkeranfänger gut zurecht kommen. Unser Imkerverein erwirbt jedes Jahr eine Reinzuchtkönigin von einer anerkannten Belegstelle in Bayern. Beste Wahl ist dabei Zuchtmaterial aus der Varroatoleranzzucht.

Von dieser Reinzuchtkönigin gewinnen wir dann durch das sogenannte Umlarven Königinnen, die wir an unsere Mitglieder oder Neuimker verteilen können.

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Das Umlarvbesteck: Weiselnäpfchen mit Halterung, Umlarvnadel, für besseres Sehen die Kopflampe

 

Da unser Verein heuer wieder einen erfreulichen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen hat, werden gute Weiseln gebraucht, denn jedes neue Mitglied bekommt bei uns als Starthilfe einen Ableger geschenkt.

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Hat man eine Wabe mit natürlichen Weiselzellen (z.B. aus einem anderen Volk) kann man aus diesen Gelee Royal entnehmen und die Kunsstoffweiselnäpfchen vor dem Einlarven damit impfen

 

Die Methoden zur Königinnenvermehrung sind vielfältig und bedürfen einigen zeitlichen Vorlaufes, wenn man mit einem Pflegevolk arbeiten möchte. Für den Hobbyimker dürfte daher die einfachste Variante die Weiselpflege im Honigraum sein. Wichtigste Voraussetzung hierfür ist, dass man mit Trenngitter arbeitet, die Königin also nicht in die Honigräume kann. Für die Anzahl der anzupflegenden Weiseln gilt hier die Devise: weniger ist mehr. Denn nach unserer Erfahrung sollten nicht mehr als 3 umgelarvte Weiselnäpfchen zum pflegen gegeben werden, sonst kann es passieren, dass von den Bienen kein einziges weitergepflegt wird. Die Zuchtnäpfe sollten in eine Wabe eingebracht werden, die verdeckelte Brut enthält und oben einen schönen Futterkranz hat. Das vorhanden sein von Brut zieht Pflegebienen nach oben (vor allem, wenn es gerade nicht viel Tracht gibt), die dann auch die Weiselzellen versorgen. Die frisch schlüpfenden Bienen beteiligen sich auch an der Weiselpflege. Die restlichen Waben sind Honigwaben. Es empfiehlt sich, den so gebildeten „Zuchtkasten“ mit nur 9 Waben zu füllen, dann kann die Wabe mit den Weiselzellen einen etwas größeren Abstand haben.

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Das Eindrücken der Honigzellen macht Platz für die Weiselzelle und lockt gleich Bienen an, um den herunterlaufenden Honig aufzulecken und die Weiselzelle zu entdecken

 

Drei Tage nach dem Umlarven kann überprüft werden, ob die Bienen die Weiseln weiter pflegen und nach weiteren 7 Tagen können die verdeckelten Weiselzellen dann entnommen werden, um damit Ableger zu bilden. Immer im Hinterkopf den Merksatz: 3+5+8= Königin ist gemacht, d.h. 3 Tage Ei +5 Tage Larve + 8 Tage verdeckelt, nach 16 Tagen schlüpft die junge Königin!

 

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Gute Gene weitergeben

„Wir wollen unser Augenmerk wieder verstärkt auf die Königinnenzucht lenken“, betont Bienen-Fachberater Gerhard Müller-Engler. Er machte die Mitglieder des Imkervereins Mittlerer Aischgrund mit seinem Vortrag am 24.4. fit für die bevorstehende Königinnen-Nachzucht. Wie wird das Zuchtmaterial ausgewählt, wie bereitet man ein Pflegevolk vor und welche Möglichkeiten gibt es für Kleinstimker, „gute“ Königinnen ohne großen Aufwand und teures Zubehör selbst zu vermehren? Der Lehrgang ließ keine Fragen offen, wenngleich das Thema für die vielen Jungimker noch reichlich schwere Kost war.
Warum die Nachzucht von guten Genen so wichtig ist, machte Gerhard Müller-Engler in der anschließenden Gesprächsrunde noch einmal deutlich. Varroa-Toleranz ist hier das Stichwort. Eine gute Königin – von Belegstellen, Instituten oder anerkannten Züchtern – wird heutzutage nicht mehr nur noch nach Kriterien wie Honigertrag, Sanftmut und Schwarmträgheit ausgewählt. Das von ihr erzeugte Bienenvolk soll auch eine verstärkte Bruthygiene entwickeln und sich deshalb bei einem Milbenbefall besser regenerieren können. Es wäre wünschenswert, wenn sich Bienen, die mit der Varroa zurechtzukommen, möglichst flächendeckend durchsetzten. Die Imkervereine spielen hier als Multiplikatoren sowohl von Wissen als auch von Zuchtmaterial eine zentrale Rolle.

Kurs „Königinnenvermehrung“

Bald beginnt am Lehrbienenstand die Ablegerbildung. Hierfür werden Sprösslinge der Reinzuchtkönigin nachgezogen, die der Verein von der Belegstelle Haßberge zugekauft hat. Varroa-Toleranz ist dort eines der Haupt-Zuchtziele. Von den guten Genen der Weisel aus Haßberge sollen auch die Bienenvölker am Stand und bei den Vereinsmitgliedern profitieren.
Was es bei der Königinnenvermehrung zu beachten gibt, wird Bienen-Fachberater Gerhard Müller-Engler am Donnerstag, 24. April, um 18 Uhr in einem Lehrgang erläutern. Die Abendveranstaltung kann nicht am „stromlosen“ Lehrbienenstand durchgeführt werden, sondern findet im Gasthaus „Zur Goldenen Traube“ (Stubenrauch) in Dachsbach statt.