Sind die Bienen schon startklar?

Rauchzeichen am Lehrbienenstand: Alle Bienenvölker entwickeln sich gut. Fotos: Schulte


Wieder einmal geht alles ganz schnell. Lange hatten sich Frost und Schnee ins Frühjahr hineingezogen, und die Natur lag in ihrer Entwicklung zurück. Doch in der vergangenen Woche hat sie schlagartig alles aufgeholt. Schlehen und Kirsche blühen, und sogar der Raps lässt nicht mehr lange auf sich warten. Bienenvölker, die stark genug sind, können deshalb jetzt aufgesetzt werden.

Frühtrachtimker wissen, was ein guter Standort für die Bienenvölker wert ist – erst recht, wenn die Natur einen solchen Blitzstart hinlegt. Wo die Königin rechtzeitig mit dem Brutgeschäft begonnen hat, sind die ersten Sommerbienen bereits startklar für ihre Sammelflüge.

Viele Völker sind aber noch nicht soweit. Hier ist es wichtig, die Futtervorräte im Blick zu behalten. Sie sind wichtig für die Versorgung der kommenden Generation im Bienenstock. Erst wenn die sogenannte Durchlenzung abgeschlossen ist, also flugfähige Sommerbienen die Winterbienen abgelöst haben, können überschüssige Futterwaben entfernt werden.

Am Lehrbienenstand müssen sich die Bienenvölker noch ein wenig entwickeln, bevor an Honig zu denken ist. Bei der ersten ausführlichen Frühjahrsdurchsicht wird der Sitz des Brutnestes korrigiert. Hat sich das Volk in der zweiräumigen Zarge nach oben verlagert, so werden obere und untere Zarge miteinander vertauscht. So kann die Königin, die es lieber nach oben zieht, den Platz besser nutzen.

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Kalte Ostern am Lehrbienenstand

Foto: Schulte


Der Ostersonntag am Lehrbienenstand fühlte sich heuer eher an wie Weihnachten. Bei kaltem, böigen Wind und frischen sechs Grad blieben nicht nur die Bienen drinnen, auch die Imker machten sich rar. Dabei stand rings herum alles in Blüte, wie es Mitte April bisher selten zu sehen war. Schlehen- und Weißdornhecken, Kirsch- und Apfelbäume und Raps, alles ist fast gleichzeitig aufgegangen.

Foto: Schulte

Der Frühstart der Natur, den wir gerade erleben – sind das nur Wetterkapriolen oder ist das der Klimawandel? Fest steht: Bienen haben im Laufe ihrer Evolution schon viele solcher Veränderungen mitgemacht und sich immer angepasst – schließlich gibt es sie seit rund 100 Millionen Jahren. Eine zu früh einsetzende Tracht schadet ihnen sicher nicht, sie ärgert eher die Imker.

Problematisch für die Bienen ist das, was im ländlichen Raum inzwischen standardmäßig auf die Frühtracht folgt: eine mehr oder weniger lang anhaltende Trachtlosigkeit. In wenigen Wochen wird sich zeigen, ob auch dieses Jahr für unsere Bienen schon gelaufen ist.

Veränderte Umweltbedingungen haben sich immer schon in der Imkerei niedergeschlagen, denn neue Herausforderungen erfordern entsprechende Betriebsweisen. Das hat die Bekämpfung der Varroamilbe gezeigt, die längst für jeden Imker selbstverständlich geworden ist. Vielleicht werden wir uns künftig als Frühtrachtimker verstärkt über den Klimawandel Gedanken machen und Lösungen finden müssen. Wie wird in Regionen geimkert, in der die Winter noch strenger und die warme Jahreszeit noch kürzer ist oder in der sehr abrupte Temperaturwechsel das Klima bestimmen? Welche Bienenrassen haben sich dort bewährt? Ein Blick über den Tellerrand kann da viele neue Erkenntnisse bringen.

Die Natur startet durch – und die Bienen?


Die Natur startet durch. Doch tun es auch die Bienen? An den Völkern am Lehrbienenstand haben wir bereits die Honigräume aufgesetzt, denn die Obstbäume und Hecken stehen in voller Blüte und der Raps wird auch bald soweit sein. Die nachstehende Diaschau zeigt, was am 9. April am Stand oder in unmittelbarer Nähe bereits in Blüte stand.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Das sind die Frühtrachtquellen, und die sollen schließlich Honig bringen. Doch für die Bienen geht es heuer viel zu schnell. „Rund zwei, drei Wochen ist die Natur zu früh dran“, ist die einhellige Meinung unter den Imkern. Genau diese Zeit fehlt den Völkern, um sich zu entwickeln. Noch ist die Durchlenzung – der Wechsel von Winter- auf Sommerbienen – nicht abgeschlossen.

In den meisten Bienenstöcken findet man jetzt viel verdeckelte Brut, doch bis daraus Bienen geschlüpft sind und sich zu Sammelbienen entwickelt haben, wird der größte Teil der Blütenpracht schon wieder dahin sein.

Der Frühstart der Natur verspricht also keineswegs eine gute Honigernte – im Gegenteil. Dazu kommt die anhaltende Trockenheit, die auch den Land- und Teichwirten Sorgen macht. Ohne genügend Feuchtigkeit honigen die Blüten nun einmal nicht – Wärme hin oder her. Ein lauwarmer Regen, das wäre jetzt genau das Richtige. Doch danach sieht es in den nächsten Tagen nicht aus. Die Imker blicken also mit Spannung ins Wetter, in ihre Völker und in die gerade gestartete Bienensaison.