Sind die Bienen schon startklar?

Rauchzeichen am Lehrbienenstand: Alle Bienenvölker entwickeln sich gut. Fotos: Schulte


Wieder einmal geht alles ganz schnell. Lange hatten sich Frost und Schnee ins Frühjahr hineingezogen, und die Natur lag in ihrer Entwicklung zurück. Doch in der vergangenen Woche hat sie schlagartig alles aufgeholt. Schlehen und Kirsche blühen, und sogar der Raps lässt nicht mehr lange auf sich warten. Bienenvölker, die stark genug sind, können deshalb jetzt aufgesetzt werden.

Frühtrachtimker wissen, was ein guter Standort für die Bienenvölker wert ist – erst recht, wenn die Natur einen solchen Blitzstart hinlegt. Wo die Königin rechtzeitig mit dem Brutgeschäft begonnen hat, sind die ersten Sommerbienen bereits startklar für ihre Sammelflüge.

Viele Völker sind aber noch nicht soweit. Hier ist es wichtig, die Futtervorräte im Blick zu behalten. Sie sind wichtig für die Versorgung der kommenden Generation im Bienenstock. Erst wenn die sogenannte Durchlenzung abgeschlossen ist, also flugfähige Sommerbienen die Winterbienen abgelöst haben, können überschüssige Futterwaben entfernt werden.

Am Lehrbienenstand müssen sich die Bienenvölker noch ein wenig entwickeln, bevor an Honig zu denken ist. Bei der ersten ausführlichen Frühjahrsdurchsicht wird der Sitz des Brutnestes korrigiert. Hat sich das Volk in der zweiräumigen Zarge nach oben verlagert, so werden obere und untere Zarge miteinander vertauscht. So kann die Königin, die es lieber nach oben zieht, den Platz besser nutzen.

Advertisements

Kaum Ausfälle nach dem langen Winter

Der erste Blick ins Bienenvolk nach einem langen Winter ist immer eine spannende Sache. F.: Schulte


Der späte Kälteeinbruch hat den Bienen am Lehrbienenstand des Imkervereins Mittlerer Aischgrund offenbar keine Probleme gemacht. Alle fünf Bienenvölker haben den Winter überstanden, und zum Saisonstart herrscht reger Flugbetrieb.

Eine erster Blick in die Beuten zeigt allerdings, dass ein Bienenvolk buckelbrütig geworden ist, also seine Königin verloren hat. Sogenannte Afterweiseln haben die Eiablage übernommen, können aber – da unbegattet – nur Drohnenbrut produzieren. Dadurch entsteht das typische „bucklige“ Bild im Brutnest, das dem Phänomen seinen Namen gibt.

Was geschieht nun mit dem buckelbrütigen Volk? Es wird aufgelöst, die Bienen werden an einem Tag mit gutem Flugwetter in einigem Abstand zum Stand abgefegt und können sich bei den anderen Völkern einbetteln.

Alle anderen Bienenvölker aber sind gut in Form und verfügen über ausreichende Futtervorräte. Reichlich Pollen bringen die fleißigen Arbeiterinnen schon in den Stock, und wer sich unter den großen Weidenbaum gegenüber vom Lehrbienen-Gelände stellt, der kann hören, wo sie den Pollen sammeln.

Wann kommt Honigwetter?

Die Bienen sitzen zumeist ungeduldig in ihren Kästen und die Imker blicken sorgenvoll auf die nun in Vollblüte stehenden Rapsfelder. Jeder hofft auf wärmere Temperaturen, damit die „Ernte“ von den Bienen auch eingebracht werden kann.

 

P1020731

Die orangenen Pollen stammen von Löwenzahn, die gelben von Rapsblüten

 

Trotzdem darf man sich durch das Wetter nicht täuschen lassen, denn die Bienenvölker haben sich in den letzten Wochen kräftig entwickelt. Ständig schlüpfen junge Bienen. Diese brauchen Arbeit, denn ansonsten entsteht schnell der Schwarmtrieb.

Für den Imker heißt dies, das Brutnest kontinuierlich zu erweitern. Dies geschieht am Besten, indem Randwaben, die bereits mit Honig gefüllt sind nach oben in den Honigraum gehängt werden und die entstandenen Lücken im Brutraum durch Rähmchen mit Mittelwänden zum Ausbauen gefüllt werden.

Auch die Drohnenrähmchen sollten nun bereits ausgebaut sein. Bei manchen Völkern konnten die ersten Drohnenrahmen ausgeschnitten werden. Wer konsequent verdeckelte Drohnenbrut aus den Völkern entnimmt, kann die Entwicklung der Varroamilbe in den Völkern eindämmen und verzögern.

 

P1020729

1. und 2. Vorsitzender bei der Völkerdurchsicht, im Hintergrund üppige Apfelblüte

 

Die Besucher des Lehrbienenstands trösteten sich mit Honigbier und diskutierten angeregt über die Veranstaltung am 4.Mai 2017 in Krautostheim mit dem Thema „Dropleg-Düsen im Raps. Hierzu hatten AK Landkreis Neustadt/A.–Bad Windsheim mit BBV, BDM, Bund Naturschutz und Kreisimkerverband eingeladen. Einige unserer Vereinsmitglieder, Landwirte und Imker hatten an dieser interessanten Veranstaltung teilgenommen und berichteten über Vorführung und Aussagen der Veranstalter und Vertreter.

Die Anwesenden kamen zu dem Schluss, dass eigentlich alle in einem Boot sitzen und dass wir den Bienen am meisten helfen können, wenn Imker und Landwirte gut zusammen arbeiten.

Die Natur startet durch – und die Bienen?


Die Natur startet durch. Doch tun es auch die Bienen? An den Völkern am Lehrbienenstand haben wir bereits die Honigräume aufgesetzt, denn die Obstbäume und Hecken stehen in voller Blüte und der Raps wird auch bald soweit sein. Die nachstehende Diaschau zeigt, was am 9. April am Stand oder in unmittelbarer Nähe bereits in Blüte stand.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Das sind die Frühtrachtquellen, und die sollen schließlich Honig bringen. Doch für die Bienen geht es heuer viel zu schnell. „Rund zwei, drei Wochen ist die Natur zu früh dran“, ist die einhellige Meinung unter den Imkern. Genau diese Zeit fehlt den Völkern, um sich zu entwickeln. Noch ist die Durchlenzung – der Wechsel von Winter- auf Sommerbienen – nicht abgeschlossen.

In den meisten Bienenstöcken findet man jetzt viel verdeckelte Brut, doch bis daraus Bienen geschlüpft sind und sich zu Sammelbienen entwickelt haben, wird der größte Teil der Blütenpracht schon wieder dahin sein.

Der Frühstart der Natur verspricht also keineswegs eine gute Honigernte – im Gegenteil. Dazu kommt die anhaltende Trockenheit, die auch den Land- und Teichwirten Sorgen macht. Ohne genügend Feuchtigkeit honigen die Blüten nun einmal nicht – Wärme hin oder her. Ein lauwarmer Regen, das wäre jetzt genau das Richtige. Doch danach sieht es in den nächsten Tagen nicht aus. Die Imker blicken also mit Spannung ins Wetter, in ihre Völker und in die gerade gestartete Bienensaison.

Süßer Auftakt am Lehrbienenstand


Das erste Treffen am Lehrbienenstand ist immer besonders spannend. Wie haben die Bienen den Winter überstanden? Ist am Stand alles in Ordnung? Bis jetzt sieht alles nach einem guten Start aus. Die verbliebenen fünf Bienenvölker tragen fleißig Pollen ein – derzeit ist er leuchtend orange.

Das Nahrungsangebot lässt im Moment keine Wünsche übrig. Nach Weide und Hasel blühen am Lehrbienenstand des Imkervereins Mittlerer Aischgrund bereits die ersten Kirschbäume und Weißdornhecken. Direkt am Gelände gibt es heuer auch ein Rapsfeld. Alles deutet darauf hin, dass die Bienen in diesem Frühjahr keinen Hunger leiden müssen und auf kurzen Wegen an Pollen und Nektar kommen.

Gerade im zeitigen Frühjahr, wenn die ersten Sommerbienen erbrütet werden, zeigen sich die Vorteile einer guten Standortwahl. Ideal sind ein vielfältiges Pollenangebot, eine Wasserquelle in der Nähe, eine windgeschützte Lage mit Morgensonne. So bekommt das Bienenvolk einen Entwicklungsvorsprung, der sich bei der Frühtrachtimkerei ganz deutlich im Honigertrag zeigt. Dabei gilt es auch, den richtigen Zeitpunkt für die Frühjahrsdurchsicht und das Erweitern nicht zu verpassen. Dafür gibt es keine Standardempfehlungen – hier muss der Imker Natur, Wetter und seine Bienen genau beobachten.

Während die Imker sich schon mit dem Honig beschäftigen, der erst noch eingetragen werden muss, hat Braumeister Walter Prechtel aus Uehlfeld aus dem schon vorhandenen etwas Tolles gezaubert: Zur Zeit gibt es in seinem Brauereigasthof wieder das leckere „Mann-a“, das Honigbier aus dem Aischgrund, das den Vereinsmitgliedern den Saisonstart am Stand versüßte. Limited Edition – also rechtzeitig zugreifen!