Propolis – ein ganz besonderer Stoff

Propolistinktur enthält reines Propolis aus dem Bienenstock, das in hochprozentigem Alkohol gelöst wird. F.: Schulte


Bei Bienen und Imkern dreht sich derzeit alles um Honig. Dabei ist der süße Aufstrich mit den wertvollen Inhaltsstoffen längst nicht das einzige, was die Bienen im Überfluss produzieren. Es lohnt sich, auch einmal über die Gewinnung von anderen Bienenprodukten nachzudenken.

Das Kittharz Propolis ist bei Imkern zunächst einmal nicht besonders beliebt. Die Bienen verkleben damit nämlich – vor allem im Herbst – alle Ritzen im Bienenstock und kapseln sämtliche Fremdkörper ein. Nur mühsam lassen sich die so behandelten Zargen oder Rähmchen wieder voneinander lösen. Und dann pappt das Zeug auch noch an den Fingern…

Für die Bienen ist Propolis allerdings überlebenswichtig. Ohne Propolis würden sich im Bienenstock mit seinem feuchtwarmen Raumklima Pilze, Bakterien und Viren unkontrolliert ausbreiten. Das Kittharz mit seinen besonderen Eigenschaften verhindert das. Darum überziehen die Bienen alles in der Bienenbehausung mit einem dünnen Film dieser klebrigen Substanz, die aus Harz, Wachs, Pollenbalsam und vielen weiteren Stoffen besteht, die je nach Standort variieren. Die antibiotische, antivirale und antimykotische Wirkung von Propolis schützt dadurch das Bienenvolk vor Krankheitskeimen. Bereits am Flugloch passiert jede vom Sammelflug heimkehrende Biene den desinfizierenden Kittharz-„Teppich“, der den Namen „Pro-Polis“ (= griech. für „vor der Stadt“) erklärt.

Die keimhemmende Wirkung von Propolis kann sich auch der Mensch zunutze machen – vorausgesetzt, er reagiert nicht allergisch auf den Naturstoff.

Zunächst einmal muss das Propolis dafür „geerntet“ werden. Es lässt sich mit dem Stockmeißel überall dort abschaben, wo die Bienen es verbauen. Einfacher geht es aber mit einem speziellen Propolisgitter, das mit seinen vielen Schlitzen einem Absperrgitter ähnelt. Man legt es auf die oberste Zarge des Bienenstocks, wo die Schlitze von den Bienen mit Kittharz gefüllt werden. Das fertig verkittete Gitter wird entnommen und in die Tiefkühltruhe gelegt. Dadurch härtet das klebrige Propolis aus und splittert bei anschließendem leichtem Biegen des Gitters einfach ab. Das Rohpropolis ist gewonnen.

Um daraus eine anwendungsfreundliche Tinktur zuzubereiten, wird das tiefgekühlte Propolis mit dem Mörser zu feinem Pulver zerstoßen. Zu diesem Pulver (Anteil: 10 bis 40 Prozent) wird hochprozentiger Alkohol gegeben – mindestens 70-prozentiger, besser 96-prozentiger, denn nur dieser kann das Kittharz vollständig lösen. Ungefähr drei Wochen dauert das. In dieser Zeit wird die Tinktur jeden Tag mehrmals geschüttelt. Hat sich das Propolis rückstandslos im Alkohol aufgelöst, wird die Tinktur gefiltert, um eventuelle Verunreinigungen zu entfernen. Anschließend kann sie abgefüllt werden.

Wer tiefer in die Materie einsteigen will, findet in einem Zeitschriftenbeitrag der Landesanstalt für Bienenkunde Uni Hohenheim weitere Informationen:

Kunz+2012+ADIZ+Propolis+Praxis

Kunz+2012+ADIZ+Propolis+Nachtrag

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